Donnerstag

Magnolia

Paul Thomas Anderson, nicht zu verwechseln mit Paul W. S. Anderson (Mortal Kombat, Resident Evil), befand sich bisher nicht auf der Liste meiner bevorzugten Regisseure, besser gesagt, seine Werke wurden gekonnt ignoriert.

Magnolia zeigt mir aber, dass ich dem werten Herrn wohl noch eine weitere Chance geben sollte.
Anderson verknüpft im Verlauf der Story zusehends, auf sehr geschickte Weise, zwei zuvor paralelle laufende Geschichtsstränge. So will sich in der einen der sterbenskranke TV-Mogul Earl Partridge kurz vor seinem Tode mit seinem Sohn Frank versöhnen. Auch Showmaster Jimmy Gator will sich wieder seiner drogensüchtigen Tochter annähern. Doch in beiden Fällen gibt es tief liegende Gründe für die Zerwürfnisse, die Frank zu dem selbstgerechten Macho haben werden lassen, der er nun ist und die Jimmys Tochter in die Drogensucht getrieben haben.
Viele weitere Charaktere, allesamt problembehaftet, finden sich in Andersons Werk wieder und treten in manigfaltiger Form in die Leben der Hauptprotagonisten.

Ein neurotischer Krankenpfleger, eine, aufgrund ihrer Untreue, unglückliche Ehefrau, ein einsamer Polizeibeamter, ein überfordertes "Wunderkind", ein gescheiterter Kinderstar und viele weitere handelnde Personen suchen nach Erlösung, Hoffnung oder dem ganz persönlichen Glück.

Der Film lebt von seinen Schauspielern, aber auch den skurillen Situationen, die Anderson erschafft. Dazu gehört definitiv auch das Ende, auf dessen Besonderheit ich aber an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte. Vielleicht möchte der ein oder andere von euch den Film ja auch noch relativ unvoreingenommen anschauen.

Der Cast ist gelinde gesagt exzellent. Da hätten wir zum Beispiel William H. Macy in seiner Rolle als vom Leben gezeichneter ehemaliger Kinderstar, Julianne Moore als untreue und deshalb unglückliche Ehefrau, John C. Reilly als einsamer Polizist, Tom Cruise als schleimiger und selbstverliebter Sex-Guru, Philip Seymour Hofman als engagierter Krankenpfleger und der große Jason Robards in seiner vorletzten Rolle als sterbender TV-Mogul. Die Liste ließe sich beliebig fortführen, alle Akteure des Schauspielensembles spielen groß auf.

Kameramann Robert Elswit generiert stimmige Bilder und auch der Score von Jon Brion fängt die melancholische Stimmung des Filmes adäquat ein.

Paul Thomas Anderson hat mit Magnolia einen sehr ruhigen, meditativen Film vorgelegt, der die vielen Geschichtslinien fließend miteinander verbindet, aber leider nicht durchgehend ohne Längen auskommt.

Die großartigen Leistungen der Darsteller und das stimmige Setting entschädigen aber dafür und machen "Magnolia" zu einem "runden" Drama.

7,5 von 10 Punkten

Mittwoch

Conan - der Barbar

Conan - der Barbar war sozusagen der Startschuss zu Arnold Schwarzeneggers beispielloser Karriere als der Welt liebster Muskelprotz. Zwar kam der endgültige Durchbruch erst zwei Jahre später mit James Camerons Science-Fiction Kracher "Terminator", doch "Conan" darf eindeutig als der Wegbereiter angesehen werden.

Schwarzenegger hatte zuvor zwar schon das ein ums andere Mal vor der Kamera gestanden, doch Werke wie "Herkules in New York" wollten schon damals kaum einen begeistern.

Arnie zeichnet sich auch in "Conan - der Barbar" nicht wirklich als ausgeprägter Charaktermime aus, doch verleiht er seiner Figur durch seine noch recht naive und tollpatschige Schauspielerei Seele und Authentizität.

Er stellt Conan dar, dessen Eltern, in Conans Gegenwart, vom Anführer des Schlangenordens Thulsa Doom brutal hingerichtet werden. Conan ist der einzige Überlebende seines Dorfes und wird in der Folge bereits in jüngsten Jahren versklavt. Die harte Arbeit der folgenden Jahre lässt Conans Muskeln anschwellen und auch sein Ansinnen auf Rache treibt ihn an. Schließlich flieht Conan und begibt sich auf die gefährliche Suche nach dem Mörder seiner Eltern. Er findet in der schönen Valeria, in die er sich verliebt, und dem Dieb Subotai treue Weggefährten. Thulsa Doom ist mittlerweile zu einem ebenso mächtigen wie grausamen Herrscher gereift und so kommt es zu der finalen Konfrontation der Beiden.

Conan - der Barbar ist ein ebenso epischer wie bluttriefender Fantasy-Actioner, der ganz von seiner Atmosphäre und dem umwerfenden Score von Basil Poledouris lebt. Das geringe Budget weiß Regisseur John Milius zumeist durch schöne Landschaftsaufnahmen und seltene aber exquisit inszenierte Actionszenen zu kaschieren.

Der Film ist absolut humorfrei inszeniert und sein Status im Genre der Fantasy-Action beweist, dass auch heute, 28 Jahre nach Entstehen des Filmes, kaum unfreiwillige Komik bei Ansicht des Filmes entsteht.

Kritisieren kann man natürlich die Einsilbigkeit der Protagonisten, die unzureichende Charaktertiefe und die allzu offensichtliche Gut/ Böse - Separation, aber gerade diese Mängel stehen Conan, dem Barbaren auch wieder gut zu Gesicht.

Heimlicher Star des Films ist der Darsteller des Thulsa Doom James Earl Jones, besser bekannt als die Stimme von Darth Vader. Er verleiht Thulsa Doom eine zugleich dermaßen bösartige aber auch erhabene Aura, dass es eine Wonne ist.

Conan - der Barbar ist sicher kein Film, der den Intellekt des Zuschauers fordert, aber wunderbare und vor allem in Würde gealterte Unterhaltung.

7,5 von 10 Punkten

Dienstag

Die purpurnen Flüsse 2

Es gibt Filme, die traut man sich kaum zu schauen.
Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse ist so ein Fall.
Die Kritik zerriss das Werk vielerorten förmlich in der Luft und auch der mangelnde literarische Background gereichte zu einem leicht mulmigen Gefühl.
Der erste Teil basiert auf einem meiner Lieblingsromane und bietet bis auf das leicht verquere Finale Thrillerkost vom Allerfeinsten.
Der zweite Teil fusst zwar wieder auf einem Drehbuch von Jean-Christophe Grangé, doch dieser hat sich schon in der Vergangenheit eher als hervorragender Autor einen Namen gemacht, denn als Drehbuchschreiberling.

Und nach Ansicht dieses Films sehe ich meine Aussage weiter untermauert.

Aber fangen wir von vorne an. Der zweite Teil hat eine prägnante Gemeinsamkeit mit Teil 1. Jean Reno spielt erneut den hemdsärmligen, grobschlächtigen aber sicher nicht auf den Kopf gefallenen Komissar Pierre Niemans. Nur diesmal steht ihm nicht Vincent Cassel als Partner zur Seite, sondern Benoît Magimel in der Rolle des Polizisten Reda.

Wie gehabt treffen die beiden Polizisten erst nach einer gewissen Weile aufeinander, als sich die Wege der jeweiligen Ermittlungen kreuzen. Eine Gruppe von Mördern hat es auf Personen abgesehen, die denselben oder zumindest artverwandten Berufen nachgehen, wie seinerzeit die 12 Apostel.
Die beiden Ermittler scheinen es mit einer religiösen Sekte zu tun zu haben, deren Mitglieder über übermenschliche Fähigkeiten verfügen.

Doch im Verlauf der Story stellt sich heraus, dass vieles nicht so ist wie es scheint und nicht jeder der ist, der er vorgibt zu sein.

Soweit klingt das alles ja sehr gefällig und die erste Stunde war auch durchaus spannend konstruiert. Aber dann gehen sowohl mit Drehbuchautor Grangé als auch Regisseur Oliver Dahan die Gäule durch. Eine Finte nach der anderen wird gelegt, der Plot triftet zunehmend ins Absurde und auch die majestätische Präsenz eines Christopher Lee wird gnadenlos verschenkt.

Ein Film mit guten Ansätzen, aber einem Finale, dass einen doch arg ratlos und erschüttert, ob der teils peinlich konstruierten Story, zurücklässt. Grangé zeigt in den letzten Jahren, sowohl in seinen Romanen als auch Drehbüchern, leider einen Trend zu immer konstruierteren Storys und unglaubwürdigen Finalwendungen. Ich hoffe, dass ändert sich in den kommenden Jahren, weil ansonsten ruiniert sich dieser Meister des Spannungsaufbaus und Kopfkinos seinen hervorragenden Ruf nachhaltig.

Die purpurnen Flüsse - Die Engel der Apokalypse ist lange nicht der Reinfall, zu dem ihn die Kritik seinerzeit machte, aber ein klarer Fall von:
"Da wäre viel mehr drin gewesen!"

6 von 10 Punkten

The Marine

Neue Muskelberge braucht das Land?

Oder wie darf ich es verstehen, dass einer wie Wrestler John Cena die Hauptrolle in einem gut budgetierten B-Actioner der Marke "The Marine" übernehmen darf.

Der gute hat eine Mimik, die einen darüber sinnieren lässt, ob man Steven Seagal nicht doch unterschätzt hat. Seine Statur jedoch, und das gilt hiermit als unumstritten, ist beachtlich und prädestiniert Cena schier für eine Karriere im No Brainer-Genre.

Doch konnten ähnlich gelagerte Akteure wie Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone oder Dwayne "The Rock" Johnson zu Beginn ihrer Karrieren noch mit einem gewissen, wenn auch tumben, Charisma aufwarten, so geht das Cena vollkommen ab.

Dieser riesenhafte Muskelberg stapft mit einem zwischen treudoof und entschlossen schwankenden Gesichtsausdruck durch Sumpflandschaften und Explosionsreste, um seine werte Gattin aus den Krallen ach so böser Entführer zu befreien.

Die Gruppe der Entführer besteht aus einer Reihe stereotyper Knallchargen oberster Kajüte und lediglich deren Anführer Rome, dargestellt von Terminator Fiesling Robert Patrick, kann sich leicht profilieren.

Die häufigen Explosionen und Fights sind gut inszeniert und choreografiert, doch fehlt es ihnen an dem gewissen Feeling und den handelnden Akteuren eindeutig an Charisma.

Über die Story an dieser Stelle Worte zu verlieren käme einer groben Zeitverschwendung gleich, der Film ist auf der narrativen Ebene zu beschränkt, sich dessen aber immerhin zu jedem Zeitpunkt bewusst.

Das Finale setzt dem Ganzen die Krone auf, ist es doch viel zu sehr in die Länge gezogen und schlichtweg dramaturgisch völlig daneben.

Wer die guten alten Chuck Norris Zeiten zurücksehnt und sie für die Speerspitze des Actionkinos hält, dem wünsche ich viel Spaß mit "The Marine".
Wer sich seine Zeit lieber mit sinnvollen Dingen vertreibt, dem sei gründlichst abgeraten.

"The Marine" gehört zweifelsfrei nicht zum Bodensatz der Filmgeschichte, ein guter Film ist er trotzdem nicht.

3, 5 von 10 Punkten

Sonntag

Ex Drummer

Eines vorweg:

Ex Drummer ist anders. Anders als alles, was ich bisher gesehen habe.
Und das waren einige Filme.

Koen Mortier setzt hier einen Roman von Hermann Brusselmanns um und legt sich dabei keine Beschränkungen auf. Sein Werk schwankt irgendwo zwischen Gesellschaftsstudie, Drama, Komödie, Arthouse-Film, Freak-Zurschaustellung, Porno, Musikerdoku und Konzertfilm.
Klingt abgefahren und das ist es definitiv auch.

Die Kamerafahrten spotten jeder Beschreibung, scheren sie sich doch einen Dreck um Konventionen und bieten Innovationen am laufenden Band. Der Soundtrack ist rau, unangepasst und von daher vollkommen passend zu Mortiers Werk. Der Look ist zugleich siffig und ästhetisch. Die Darsteller roh, ungeschliffen, echt und zugleich so voller Talent.

Der letzte Film der mich in seiner offensichtlichen Frische so mitgenommen hat, auch wenn beide Werke vollkommen verschieden sind, ist "City of God".
Nur geht Ex Drummer in allem so viel weiter, zeigt das, was man eigentlich nicht sehen will und entführt einen in eine ganz eigene Welt.

Es gibt sicherlich auch Momente, deren es nicht bedurft hätte und auch die Länge der Konzertszenen mag Grund zur Beanstandung geben, aber alles in allem vergebe ich definitiv eine ganz klare Sehempfehlung.

Ex Drummer ist ein Film, den man nicht wirklich beschreiben kann, man sollte ihn einfach ansehen, um zu verstehen.

8,5 von 10 Punkten (über eine mögliche höhere Wertung entscheiden kommende Sichtungen)

High School Confidential

High School Confidential ist nach außen hin eine typische, wenn auch bitterböse Highschool Dramödie. Im Mittelpunkt steht Evan Rachel Woods "Kimberly Joyce", welche den Zuschauer durch direkte Ansprache mit ins Geschehen bezieht.

Sie ist einerseits eine typische, manipulative Highschool-Schönheit, doch auch unter ihrer scheinbar heilen Welt brodelt es gewaltig. Ihr Vater ist ein reicher, selbstgerechter, fauler und rassistischer Charakter, der sich den lieben langen Tag lieber selbst befriedigt und mit den Mätzchen seiner jungen Geliebten beschäftigt, als seiner Tochter ein Ohr zu leihen.

Kimberly erfindet immer wieder neue Geschichten, um Aufmerksamkeit zu erregen, andere zu diffamieren oder Existenzen zu zerstören. Im einen Augenblick erscheint sie als normales, verletzliches 15-jähriges Mädchen, nur um nächsten Augenblick, scheinbar regungslos, über ganze menschliche Existenzen zu richten.

Das Ende setzt dem drastischen Ton dieser zynischen Satire die Haube auf und lässt den Zuseher doch etwas rat- und fassungslos zurück.

Großes Kompliment an Hauptdarstellerin Evan Rachel Wood, auch wenn sie so manches Mal den schmalen Grad zum Overacting etwas überschreitet und natürlich James Woods, welcher ihren Filmvater Hank spielt, eine gleichzeitig so zutiefst abstoßende, süffisante und wahrlich beeindruckende Darstellung.

Der ab und an sehr subtile Stil der Kamera gefällt und auch Regisseur Marcos Siega beweist Talent für die Inszenierung der entscheidenden Momente.

Ein lohnenswerter, äußerst zynischer Streifen, der aber gerade daraus seine Glaubwürdigkeit bezieht.

8 von 10 Punkten

Walking Tall

In a long long time ago, i can't still remember...
Ja, ich gebe es ja zu, hier hat sich sehr lange nichts mehr getan. Asche auf mein Haupt.
Aber heute soll es wieder einmal die ein oder andere Rezension geben und es gibt auch weiterhin noch so manchen gesehenen Film der letzten Monate aufzubereiten.Beginnen möchte ich mit Walking Tall, einem sehr ungewöhnlichen Film für mein grundlegendes filmisches Gusto. Die Handlung ist so einfach wie effektiv. Chris Vaughn, gespielt von Hollywoods Muskelberg Nr. 1 Dwayne "The Rock" Johnson, kommt nach Jahren heim in seine kleine Heimatstadt. Doch diese lebt nicht mehr, wie einstmals, vom Holzgewerbe, sondern hat sich zu einem Sündenpfuhl voll der Laster und des Glücksspiels entwickelt.

Der Schuldige, in Form von Neal McDonoughs Charakter "Jay Hamilton", und seine Schergen sind rasch ausgemacht. Und da Chris ein hemdsärmeliger Typ mit mindestens soviel Herz wie Muskelkraft ist und die Polizei, wie sollte es auch anders sein, korrupt bis zum Sankt Nimmerleinstag, nimmt er das Gesetz einfach selbst in die Hand.

Und da macht auch ein erster Rückschlag in Form eines Gerichtsverfahrens nichts. Chris weiß die Geschworenen zu beeindrucken und selbstredend auf seine Seite zu ziehen. Und ehe er sich versieht ist der gute Chris Sheriff und stellt sich ein paar Mitstreiter im Feldzug gegen das Böse zur Seite. Schon kann es losgehen mit der fröhlichen Klopperei.

Ein Film, welcher ganz klar nach der Maxime "Hirn aus und Spaß dabei" funktioniert. Doch ihn unterscheidet etwas ganz entscheidendes von den vielen anderen Vertretern dieser Gattung, er ist sich dieser Tatsache bewusst. Wer einen psychologisch tiefgründigen oder charakterbetonten Film erwartet, der sollte einen relativ großen Bogen um vorliegendes Werk machen. Wer aber, ab und an, Spaß an Handmade-Action findet, dem grummelig sympathischen "The Rock" als Schauspieler etwas abgewinnen kann und einer soliden Inszenierung beiwohnen will, der ist hier richtig.

Und für alle Romantiker, Chris' Jugendliebe ist selbstredend auch am Start.

Innovationslos, nach Schema F, aber durchaus sympathisch.

5 von 10 Punkten

The Fall

Habe ich mit "Batman: The Dark Knight" zuletzt ein medial enorm gehyptes Werk besprochen, so gilt dies für Tarsem Singhs "The Fall" ebenfalls, wenn auch in etwas kleineren Dimensionen.

Singh, seines Zeichens einer der berühmtesten Werbe- und Musikclipregisseure der Gegenwart, drehte dieses Werk über einen Zeitraum von vier Jahren. Er brachte nahezu das gesamte Budget des vorliegenden Filmes aus eigenen Mitteln auf.

Singh hatte dieses Filmprojekt bereits lange vor Drehstart im Blick. Auf jeder seiner Reisen notierte er sich stets die eindrücklichsten Bauten, schönsten Landschaften und beeindruckendsten Kulturen. Fussend auf diesen Eindrücken formulierte er ein Drehbuch aus, welches diese Plätze der Erde in seine Geschichte miteinbezog. Dieses Skript basierte zu großen Teilen auf dem bulgarischen Film Yo ho ho aus dem Jahre 1981, an welchem Singh Jahre zuvor die Filmrechte erworben hatte.

Der Film spielt zu Anfang des 20. Jahrhunderts und schildert die Geschichte eines frühen Hollywood Stuntmans, der in der Folge eines Drehunfalls gelähmt bleibt und in einem Krankenhaus gepflegt wird. Hier trifft er auf die kleine Alexandria, die ihre Eltern verloren hat.
Roy, der Stuntman, beginnt damit Alexandria eine Geschichte zu erzählen, die von einem boshaften Herrscher handelt, der 5 Widersacher aus den unterschiedlichsten Gründen verbannt hat, worauf diese sich verbünden und auf Rache sinnen. Roy schmückt die Geschichte aus und lenkt sie zumeist in die Richtung, die Alexandria vorgibt. Nur verlässt er diese Pfade in Momenten, in welchen er große Schmerzen oder enorme Traurigkeit empfindet. Dann umfängt die Geschichte zumeist großer Schwermut und ihr Verlauf nimmt düsteren Züge an.

Roy ist lebensmüde und verfolgt durch seine Geschichte einen perfiden Plan. Er will Alexandria dazu bringen, dass sie ihm Morphium aus dem Arzneizimmer besorgt. Im Gegenzug verspricht er ihr die Fortsetzung seiner Geschichte.

An diesem Punkt steige ich aus der Schilderung der zugrunde liegenden Geschichte aus, weil ich nicht zuviel von deren Verlauf preisgeben möchte. Weiterhin ist die Story für Tarsem Singh eher Mittel zum Zwecke. Er hat mit "The Fall" einen wahren Bilderrausch geschaffen, der sich große Teile der Laufzeit kaum um Sehkonventionen und narrative Regularien schert. Man sieht dem Film zu jedem Zeitpunkt an, wie lange der Regisseur brauchte, um die perfekten "Kulissen" für sein Werk zu finden. Der Film kommt häufig komplett ohne Effekte aus, die Schauplätze sprechen für sich.

Aber auch "The Fall" zeigt die Probleme auf, die schon Singhs erster Spielfilm "The Cell" hatte. Die Geschichte fungiert eher als loser Rahmen für eine überbordende Bilderflut und ist dieser zu keinem Zeitpunkt ebenbürtig. Im Gegensatz zu "The Cell" inszeniert Singh hier aber genau das, was er intendiert. Er beugt sich nicht den Einflüssen eines großen Studios, setzt auf einen komplett unbekannten - wenn auch nicht minder guten - Cast und erzeugt Bildkompositionen die zugleich verstörend wie auch wunderschön sind.

"The Fall" ist ein einzigartiges, unheimlich intensives Filmerlebnis, dass kaum mit anderen filmischen Werken vergleichbar ist. Singh geht sturr seinen Weg und genau das zeichnet "The Fall" aus.

Ich habe noch nie ein Werk von Alejandro Jodorowsky gesehen, aber genauso habe ich sie mir stets vorgestellt.
Ein Glück, dass Singh in David Fincher und Spike Jonze zwei bekannte Regisseure gefunden hat, die, wie er auch, der Werbefilmbranche entstammen und das Potential des Filmes erkannt haben. Sie haben mit ihren Namen und Kontakten dafür gesorgt, dass "The Fall" weitere Verbreitung findet und sich hoffentlich noch viele Filmliebhaber an diesem Werk erfreuen dürfen.

Hochinteressante, komplett eigenständige Bilderflut, deren Geschichte sich den Singh'schen Bildkompositionen komplett unterordnet.
Eigenständig und sicher nicht Jedermanns Sache.

8,5 von 10 Punkten

Donnerstag

Batman: The Dark Knight

Es gleicht einem Wunder, dass ich mich diesem Film so lange verschließen konnte.
Das lag weniger an bösen Vorahnungen denn an mangelndem Budget.
Das Special Edition Boxset hatte es mir angetan und so hieß es sparen oder, wie im hier vorliegenden Falle, ein günstiges Angebot erwarten.
Aber genug der Vorrede, widmen wir uns Christopher Nolan's zweiter Regiearbeit im Batman-Universum.
Überraschte sein Batman Begins schon mit einer sehr düsteren Grundstimmung, die sich deutlich von den bisherigen Verfilmungen der bekannten amerikanischen Comic-Ikone abhob, so sollte Batman: The Dark Knight in diesem Punkt, laut Ankündigungen der Macher, noch einen draufsetzen.
Doch düster wurde es bereits weit vor Filmstart. Heath Ledger, der als Darsteller des Jokers Erkorene, verstarb wenige Tage vor der, auf seine Person zugeschnittenen, Werbekampagne in Folge von überhöhtem Tablettenkonsum.

Das trieb den ohnehin schon riesigen Hype um das Werk in unermessliche Höhen und führte schlussendlich zum erfolgreichsten Filmstart aller Zeiten in den Vereinigten Staaten. Ledgers mit vielen Gerüchten verbundenes, viel zu frühes Ableben und die stimmigen Trailer sorgten für ausverkaufte Säle.

Doch irgendwie war ich zu jener Zeit noch nicht bereit für eine Sichtung. Und so ergab es sich, dass diese erst vor Wochenfrist erstmalig stattfand.

Eins sei gleich erwähnt. Der Film beginnt mit einem Paukenschlag. Die Szene zu Beginn, die den Joker im Anschnitt zeigt und sein Vorhaben ohne viele Worte bebildert, gehört mit zu den großartigsten Opening-Scenes, denen ich je beiwohnen durfte.

Der Film fokussiert sich, gegenteilig zu seinem direkten Vorgänger, weniger stark auf die Figur des Bruce Wayne/ Batman, sondern entspinnt viele weitere interessante Subplots und stellt Christian Bale mehrere nahezu ebenbürtige Nebendarsteller zur Seite.

Aaron Eckhart, beispielhaft, gibt seinen Harvey Dent, die gute Seele Gothhams, so vielschichtig wie auch gekonnt. Er verleiht diesem schwierigen, im Verlaufe des Filmes zunehmend tragischen Charakter, eine Tiefe, die einen das ein ums andere Mal staunend zurücklässt. Hier ist Nolan eine exzellente Wahl gelungen. Das gilt selbstredend auch für Ledger. Man spürt wie sehr er sich in diese Rolle gebissen und hineinversetzt hatte. Er gibt diesen diabolischen Charakter mit einer angsteinflösenden Präsenz, die einzelne Abschnitte des Filmes ganz von alleine trägt und bei mir Wehmut aufkommen lässt. Das so ein talentierter Akteur, der in jüngerer Vergangenheit mit dieser Rolle und der des Ennis del Mar in "Brokeback Mountain" zwei solch herausragende ablieferte, so früh verstarb, ja das macht mich tieftraurig.
Nichtsdestotrotz sollten wir an dieser Stelle auch weitere Mitglieder des Casts lobend hervorheben. Da wären zum einen die aus dem Vorgänger bekannten Herren Freeman, Oldman und Caine, die so souverän wie fabelhaft agieren und sich wahrhaft supporting Actors nennen dürfen, aber auch Maggie Gyllenhaal, die Katie Holmes im direkten Vergleich in Grund und Boden spielt und kleine aber prägnante Highlights setzt. Selbst alternden B-Movie Stars wie Eric Roberts und Anthony Michael Hall verhilft Nolan zu einem gelungenen Career Refreshment.

Der Film selbst präsentiert sich als ausgewogene Mischung zwischen dramatischen, puren Momenten und grandios fotografierten Actionsequenzen. Die Actionszenen dienen aber nie zum Selbstzweck, sondern treiben die Geschichte stets voran. Der Film ist überlang, doch zumindest ich habe bei der Ansicht nichts davon gespürt.

Ungewöhnlich ist die schier greifbare Tiefe und Düsternis des Werkes, die so untypisch ist, für das Hollywoodkino moderner Prägung. Ein Vergleich mit dem Comedy-Batman eines Joel Schuhmacher verbietet sich von selbst. Batman ist stets ein gebrochener Held, der Erretter und Gejagte zugleich, Freund und Feind in einer Person und stets ambivalent in seinem Handeln. Kein Superheld, sondern ein Mensch, der für das Gute kämpft und dabei wie jeder andere seiner Spezies Fehler begeht.

Der Score ist superb und wer hätte je gedacht, dass ich das je über einen Hans Zimmer Score behaupten würde. Nun gut, James Newton Howard war ebenfalls nicht ganz unbeteiligt an der musikalischen Untermalung. Die Kameraaufnahmen von Wally Pfister sind gleichzeitig so düster und doch so schön und poesievoll, dass es eine Wonne ist. Ohne jetzt alle weiteren technischen Departments aufzuzählen, so sei ihnen doch allen ein Lob gegönnt.

Ein Film, welchen ich jedem Comic Fan aber ebensosehr alle anderen Filminteressierten nur wärmstens empfehlen kann. Schiere Perfektion in der Verquickung von Bombast und Tiefgang.

9,5 von 10 Punkten

(So recht kann ich den halben Punkt Abzug nicht erklären, aber zur Höchstwertung fehlt mir etwas, dass ich nicht in Worte fassen kann)

Burn after Reading

It's Birthday Time.

Den Black Forest Movie Guide gibt es nun seit 2 Jahren.
Viele Rezensionen, wenige anders gelagerte Beiträge und Newsmeldungen und vor allem viel Nonsens liegen hinter ihm.
Er kam in den Genuss einiger Meisterwerke, vieler überdurchschnittlicher Sehfreuden, mittelmäßiger Filmkost und hatte leider auch den ein oder anderen Rohrkrepierer zu verdauen.

Zum Jubiläum gibt es eine recht erfreuliche Rezension. Der Film, um welchen es gehen soll, hört auf den Namen "Burn after Reading" und wurde von den Coen-Brüdern Joel und Ethan (The Big Lebowski, Fargo, Blood Simple, O Brother there Art thou?) geschrieben als auch inszeniert.

Der Cast kann sich nun wirklich sehen lassen. Da wären zum einen Brad Pitt und George Clooney in recht untypischen Rollen, John Malkovich mit einer Spielfreude, welche seinesgleichen sucht, Tilda Swinton und Frances McDormand als großartige und sehr unterschiedliche Leading Ladys und ein erfrischend aufspielender Richard Jenkins. Auch das weitere Ensemble ist bis in die kleinste Nebenrolle hervorragend besetzt.

Der Film lebt vom typischen trockenen Coen-Humor und einer Direktheit, die nahezu alle Werke der Brüder auszeichnet. So werden Charaktere skurillen Szenen "geopfert", von welchen man es nun wirklich nicht erwarten durfte. Skurill ist auch die richtige Bechreibung für das Drehbuch. Es dreht sich nämlich eigentlich um nichts.
Brad Pitts und Frances McDormands Alter Egos gerät eine CD in die Hände, deren Inhalt sie als höchst vertraulich und von höchster Wichtigkeit für den Eigentümer und diverse Organisationen vermuten. Sie versuchen einerseits die Daten zu verhökern und zweitens auch beim Eigentümer einen gewissen Obulus für ihre "Diskretion" zu erhalten. Aus und um diese plumpe Erpressung entspinnt sich ein Kabinett des Sonderbaren, was narrativ seines Gleichen sucht.

Herrlich ist es auch den Darstellern dabei zuzusehen, wie sie ihren Legendenstatus genüsslich demontieren und gegen die oftmals vorhandenen Rollenklischees anspielen bzw. diese persiflieren.

Der Film ist ausgezeichnet bebildert von einem der Meister seines Fachs, Emmanuel Lubezki, welcher auch schon Werke wie Children of Men und Sleepy Hollow mit seinen Bildkompositionen veredelt hat. Die Musik stammt, wie so oft bei dem kauzigen Brüderpaar aus der Feder von Carter Burwell. Zwar reicht er nicht an die Genialität seines "Oh Brother there Art thou?" - Scores heran, weiß aber zu gefallen und unterstreicht die skurillen aber auch die melancholischen Momente der Geschichte adäquat und einfühlsam.

Die Coens zeigen erneut, welch Raffinesse und Ideenreichtum ihnen innewohnt. Kaum jemand versteht es so gekonnt wie diese Beiden, anspruchsvolles und unterhaltendes Kino miteinander zu verbinden.
Bis auf wenige "Ausrutscher" sind die Beiden immer noch eine sichere Bank und das ist eine erfreuliche Konstante im schnelllebigen Filmgeschäft

Großartige Aufarbeitung der Themen Gier, Schönheitswahn und Liebe. Ein Film dessen Ziel es ist zu amüsieren, aber trotz des Amüsements auch nachdenklich zu machen.

8,5 on 10 Punkten

p.s.: Auf die nächsten beiden Jahre "Black Forest Movie Guide". Ich bleibe mir treu, ich hoffe so mancher von euch mir und meinem Blog auch.

I'm a Cyborg, but that's ok

Chan-Wook Park die Zweite.
Nach der Rezension zu seinem Erstlingswerk Joint Security Area folgt nun die zweite Besprechung eines seiner Werke binnen Wochenfrist.

Das vorliegende Werk trägt den klangvollen Namen "I'm a Cyborg, but that's OK". Nach Abschluss seiner Rache-Trilogie rund um Sympathy Mr. Vengeance, Oldboy und Lady Vengeance hatte Park, nach eigener Aussage, für's erste genug der düsteren Stoffe.

Nun möchte man meinen, der Regisseur nähme sich eines leichten, eventuell komödiantischen, Stoffes an. Aber weit gefehlt...

I'm a Cyborg... könnte man als Kreuzung aus "Einer flog über das Kuckucksnest" und einer lakonischen Außenseiterdramödie ansehen.

Alleine die Startsequenz rechtfertigt die Sichtung des Filmes. Sie ist gleichzeitig kreativ inszeniert, äußerst skurill, tieftraurig, voller schwarzem Humor und bietet alle typischen Trademarks des visionären Regisseurs Chan-Wook Park.

Die Musik ist wiederum herausragend, kein Wunder zeichnet sich doch der selbe Komponist wie schon bei JSA für den Score verantwortlich.

Der Film verschließt sich einer stringenten narrativen Ebene beinahe vollständig und lässt seine Bilder, seine Situationskomik und die stets unterschwellig spürbare Tragik der Situationen und Charaktere für sich sprechen.
Die Darsteller transportieren die kleinen oder zumeist eher größeren Macken ihrer Charaktere nahezu durchgehend sehr glaubwürdig, auch oder gerade weil ihr Spiel oftmals von kleinen Gesten lebt.

Der Film hat unbestritten gewisse Längen und ist definitiv eine Erfahrung der schrägeren Sorte (die koreanische Jodeleinlage sei nur ein Indiz hierfür), aber gerade diese übertriebene Elegie und der verschrobene Charme machen den Film sehenswert. Schade ist, dass das Ende etwas kurz geraten ist, aber unterm Strich bleibt ein lohnenswertes und wahrlich schwer vergleichbares bzw. kategorisierbares Filmerlebnis.

Ein Tipp für Open-Minded Filmseher und eine Warnung für Liebhaber einfach zu konsumierender Werke.

7 von 10 Punkten

Sonntag

District 9

Ein Film, dessen Klasse sich fast im Vornherein abzeichnete.
Am Anfang war ein großartiger Kurzfilm des Südafrikaners Neill Blomkamp namens "Alive in Joburg", welchen ein gewisser Peter Jackson aus Neuseeland zu Gesicht bekam.
Dieser war so fasziniert von diesem Stück Film, dass er Blomkamp vom Fleck weg als Regisseur für die kommende Verfilmung des Computerspieles Halo verpflichten wollte. Doch da diese nach diversen Querelen und Unstimmigkeiten bei den diversen Drehbuchentwürfen vorerst auf Eis liegt musste ein neuer Job für den fähigen Jungregisseur her.
So kamen Jackson und Blomkamp auf die Idee aus dem spannenden Kurz- einen noch spannenderen Langfilm zu machen. Gesagt, getan, hieß es nun das Ergebnis sichten.

Und was soll man sagen, Blomkamps Debüt ist eine hervorragende Verbindung von dramatischen Elementen und kurzen aber eruptiven Action Momenten. Sowohl die zwischenmenschlichen Passagen als auch die Effektschlachten wissen zu beeindrucken. Man sieht an allen Ecken und Kanten, wer hier für die Effekte zuständig war und dabei handelt es sich um niemand Geringeren als die Leute von Weta, die schon Jacksons Herrn der Ringe oder King Kong veredelt haben.

Der Film und seine Macher beweisen in vielen Aspekten Mut. So sind die Darsteller durch die Bank bisher relativ unbekannt, Johannesburg als Spielplatz wenig populär und die Ausrichtung des Filmes oftmals eher pessimistischer Natur.

Doch gerade das macht den Film auch aus. Er bietet zum Ende keine A-typischen Lösungen, hat keine Identifikationsfiguren im herkömmlichen Sinne und bricht das ein ums andere Mal mit Sehgewohnheiten.

Aber gerade die Szenen, in welchen zum Beispiel die ungewöhnliche Egoshooter-Perspektive zum Einsatz kommt oder ein ruhiger Dialog zwischen Mensch und Alien stattfindet, sind es, die diesen Film so besonders machen.

Der Film nimmt sich der Immigranten-Thematik auf eine ungewöhnliche und gleichzeitig passgenaue Art an, vergisst es aber nie seinen Zusehern zur rechten Zeit unterhaltende Elemente zu liefern.

Dieser gelungene Spagat trug wohl auch maßgeblich zum großen Erfolg der Produktion bei. Man sieht dem Film zu keinem Zeitpunkt an, dass er "nur" 30 Millionen Dollar verschlungen hat. Was Effekte angeht, aber auch vieles andere, so spielt er eindeutig in der ersten Liga.

Großartige Parabel, die noch einiges von Herrn Blomkamp erwarten lässt. Aber jetzt ist erstmal sein Produzent und Meister Peter an der Reihe zu zeigen, dass auch er es noch beherrscht großartige Filme zu drehe. Sein neuer Film "The Lovely Bones" startet hierzulande im Dezember.

Hochverdiente 9,5 von 10 Punkten

Dawn of the Dead (2004)

Nachdem ich oben benanntes Werk nun zum vierten Mal bewundern durfte, kommt es auch in den Genuss einer Rezension an Ort und Stelle.

Der Aufschrei war groß als im Jahre 2003 bekannt wurde, dass George A. Romeros bekanntestes Werk "Opfer" der Remake-Industrie werden sollte. Dazu noch ein, bis dahin, gänzlich unbekannter Regisseur und ein Trailer, welcher die geneigten Untoten nicht wie Romero einstmals als schlurfende Wesen sondern als Horde sprintender Gesellen darstellte.

Mir bereitete diese Modernisierung keine Probleme und auch ansonsten sah der Trailer sehr geschmackvoll aus. Und so hieß es am Premierentage, ab ins Lichtspielhaus meines Vertrauens.
Und was mich dort erwartete, dass konnte ich noch lange danach kaum in Worte fassen. Zack Snyder hatte ein unbeschreibliches Debüt hingelegt. Eine Geschichte, angelehnt an das Original, aber aufgefüllt mit viel Sarkasmus, der Gesellschaftskritik die auch das Vorbild auszeichnete und randvoll mit derbsten Effekten.

Der Film bot 100 Minuten voller Kurzweil und Spannung und endete so verstörend, wie er begonnen hatte. Zu den Klängen von Disturbed ließ Znyder seinen Film mit unkommentierten aber deutungsintensiven Szenen enden.

Der Soundtrack ist allgemein eine sehr große Stärke dieses Werkes, hier hat Tayler Bates ganze Arbeit geleistet. Und auch bei der Effektabteilung muss man sich bedanken. Schwarzhumorige Szenen wie beispielsweise das Zombie-Prominenten-Quiz mit anschließender Beseitigung haben sich mir umgehend eingeprägt.

Der Look des Films ist modern aber dennoch an den morbiden Stil des Originals angelehnt und die Cameos diverser Protagonisten des Originals bzw. Szenegrößen der Horrorcommunity freuen wohl jeden Fan des Genres.

Kurzum, ein rundum gelungenes Remake, dass sowohl den Geist des Originals transportiert als auch neue Ansätze mit einbindet. Der Film machte auch bei der vierten Sichtung noch enormen Spaß.

9 von 10 Punkten

Joint Security Area

Nach (zu) langer Zeit melde ich mich an dieser Stelle wieder einmal zu Wort.
Als Ehrenrettung sei gesagt, dass ich in den zurückliegenden Wochen auch kaum Filme goutiert habe.
Aber über einen von diesen möchte ich dann doch ein paar Worte verlieren.
Der internationale Titel lautet Joint Security Area oder knapp JSA. Inszeniert wurde das Ganze von Maestro Chan-wook Park, seines Zeichens Regisseur der Rache Trilogie beginnend mit Sympathy for Mr. Vengeance und endend mit Lady Vengeance. Der Mittelpart Oldboy ist noch wie vor ein herausragender Vertreter der asiatischen Filmkunst und auch Lady Vengeance wusste mich in nahezu allen Belangen zu überzeugen. Den Anfang der Trilogie habe ich leider noch nicht ansehen dürfen, dass werde ich aber bestimmt in Bälde nachholen.

Aber nun zu JSA. Wir haben es mit einem waschechten Drama zu tun, dass sich mit den Konflikten der beiden Teile Koreas, Süd- und Norkorea, beschäftigt. Wir betrachten eine schweizerische Ermittlerin mit koreanischen Wurzeln, welche im Auftrag der Aufsichtsbehörde der neutralen Staaten den scheinbar kaltblütigen Mord an zwei nordkoreanischen Grenzsoldaten untersuchen soll.
Doch hinter dem scheinbar brutalen Angriff seitens der Südkoreaner steckt etwas Gänzlich anderes. Die Geschehnisse werden in Rückblenden erzählt und schildern, immer wieder unterbrochen von Szenen in der Gegenwart, wie es zu der folgenschweren Schießerei kommen konnte.
An dieser Stelle mehr über den Geschichtsverlauf zu verraten wäre sträflich.

Verraten werden darf aber, dass die Musik, für welche sich Jeong-wook Jo und Jun-Seok Bang verantwortlich zeichnen, exorbitant gelungen ist. Hier beweist Chan-wook Park auch schon in der frühen Phase seiner Karriere ein Händchen bei der Komponistenwahl. Stellenweise erinnern die Melodien etwas an den hervorragenden Soundtrack zu Lady Vengeance, was wohl kaum ein Zufall ist, da dort Jeong-wook Jo ebenfalls eine wichtige Rolle zukam.
Die Kameraführung gibt einem die Möglichkeit das ein ums andere Mal tief ins Geschehen einzutauchen und den Protagonisten so näher zu kommen, als einem lieb ist.

Die Darsteller agieren auf einem glaubwürdigen Niveau, hier seien vor allem Yeong-ae Lee, die später auch die Hauptrolle in Park's Werk Lady Vengeance einnehmen sollte, und Byung hun Lee erwähnt.

Regisseur Chan-wook Park versteht es wieder einmal eine Geschichte mit viel Herz, Tiefgang und vor allem einer Message zu erzählen und den Zuschauer über nahezu die gesamte Dauer der Filmlaufzeit zu fesseln. JSA ist sein erster großer Film und bereits hier offenbart er Talente, welche bei seinen kommenden Filmen noch weiter zum Tragen kamen. JSA ist meiner Meinung nicht Park's Meisterwerk, aber nichtsdestotrotz in jedem Falle empfehlenswert.
Weiterhin nimmt der Film Annäherungen der beiden Teile Koreas vorweg, welche nur wenige Monate nach der Filmpremiere geschahen.

7,5 von 10 Punkten

Samstag

In meinem Himmel

Heute widme ich mich nicht der Rezension eines Filmes, sondern befasse mich mit Alice Sebolds Roman "The Lovely Bones" oder "In meinem Himmel", seinem deutschen Titel.

Aufmerksam wurde ich auf das Buch wiederum durch einen Filmschaffenden. Ausnahmetalent Peter Jackson (Der Herr der Ringe, The Frighteners, Heavenly Creatures, King Kong, Bad Taste) hat es sich zur Aufgabe gemacht die vorliegende Geschichte in filmischer Form umzusetzen.

Da ich seinen frühen Ausflug ins phantastisch-dramatische Genre, Heavenly Creatures, sehr mag war ich äußerst gespannt auf die Lektüre.

Etwa 380 Seiten später bin ich um einiges schlauer und kann mit Sicherheit sagen, dass dies ein hervorragender Stoff für den Visionär Jackson darstellt.

Im Buch dreht sich alles um die 13-jährige Susie Salmon, die gleich zu Beginn einem Vergewaltiger zum Opfer fällt, welcher sie in der Folge ermordet und ihre Leiche verschwinden lässt. Doch die Tat bildet nicht den Kern der Geschichte. Susie kommt in den Himmel, in ihren Himmel, und betrachtet von dort ihre Familie, ihre Freunde, Schulkameraden, Nachbarn und ihren Mörder George Harvey, der, wie sie bald merkt, in ihr wahrlich nicht sein einziges Opfer gefunden hat. Susie muss mit ansehen wie ihre Familie, in den Monaten nach der Tat, immer mehr auseinander fällt. Ihre Eltern entzweien sich immer mehr, ihre Schwester Lindsey leidet darunter, dass alle in ihr nur das Abbild Susies sehen und selbst ihr kleiner Bruder Buckley wird sich, trotz seines Alters, bewusst, dass das Fernbleiben Susies nun für immer anhalten wird.

Susie versucht für sie da zu sein, Tipps auf ihren Mörder zu geben, sie in wichtigen Momenten zu begleiten, doch das ist reichlich schwierig für Jemanden, der nicht mehr auf Erden wandelt.

In meinem Himmel ist ein anrührendes Buch, dass gefühlvoll das Leben einer Familie und ihres umgebenden Mikrokosmos einfängt. Es beschäftigt sich mit Motiven wie Trauer, Verlust, Entfremdung, Heranwachsen und der universalen Liebe. Dazu eingestrickt ist geschickt die Geschichte, die sich mit den Gräueltaten George Harveys beschäftigt, nie aber explizit wird.
Ein herrlicher Schachzug ist es, die Geschichte aus der Perspektive der ermordeten Susie Salmon zu erzählen und wie sie ihre eigene Lage, aber auch den Fortlauf der Dinge auf Erden, beurteilt.

Das Buch ist sicherlich kein reines Drama und wahrlich kein Thriller, wobei Spannungsmomente durchaus zahlreicher Natur sind. Es ist viel mehr die Studie einer trauernden Gemeinschaft, die erst langsam lernt mit dem Verlust zu leben. Gespickt ist das ganze mit wohldosierten phantastischen Nuancen.

Ein tolles Buch, dass die Erwartungen an den Film kräftig nach oben schraubt und auf ein erneutes Meisterwerk ala "Heavenly Creatures" hoffen lässt.
Ich harre gespannt der Dinge, die da kommen.