2009-11-19

Burn after Reading

It's Birthday Time.

Den Black Forest Movie Guide gibt es nun seit 2 Jahren.
Viele Rezensionen, wenige anders gelagerte Beiträge und Newsmeldungen und vor allem viel Nonsens liegen hinter ihm.
Er kam in den Genuss einiger Meisterwerke, vieler überdurchschnittlicher Sehfreuden, mittelmäßiger Filmkost und hatte leider auch den ein oder anderen Rohrkrepierer zu verdauen.

Zum Jubiläum gibt es eine recht erfreuliche Rezension. Der Film, um welchen es gehen soll, hört auf den Namen "Burn after Reading" und wurde von den Coen-Brüdern Joel und Ethan (The Big Lebowski, Fargo, Blood Simple, O Brother there Art thou?) geschrieben als auch inszeniert.

Der Cast kann sich nun wirklich sehen lassen. Da wären zum einen Brad Pitt und George Clooney in recht untypischen Rollen, John Malkovich mit einer Spielfreude, welche seinesgleichen sucht, Tilda Swinton und Frances McDormand als großartige und sehr unterschiedliche Leading Ladys und ein erfrischend aufspielender Richard Jenkins. Auch das weitere Ensemble ist bis in die kleinste Nebenrolle hervorragend besetzt.

Der Film lebt vom typischen trockenen Coen-Humor und einer Direktheit, die nahezu alle Werke der Brüder auszeichnet. So werden Charaktere skurillen Szenen "geopfert", von welchen man es nun wirklich nicht erwarten durfte. Skurill ist auch die richtige Bechreibung für das Drehbuch. Es dreht sich nämlich eigentlich um nichts.
Brad Pitts und Frances McDormands Alter Egos gerät eine CD in die Hände, deren Inhalt sie als höchst vertraulich und von höchster Wichtigkeit für den Eigentümer und diverse Organisationen vermuten. Sie versuchen einerseits die Daten zu verhökern und zweitens auch beim Eigentümer einen gewissen Obulus für ihre "Diskretion" zu erhalten. Aus und um diese plumpe Erpressung entspinnt sich ein Kabinett des Sonderbaren, was narrativ seines Gleichen sucht.

Herrlich ist es auch den Darstellern dabei zuzusehen, wie sie ihren Legendenstatus genüsslich demontieren und gegen die oftmals vorhandenen Rollenklischees anspielen bzw. diese persiflieren.

Der Film ist ausgezeichnet bebildert von einem der Meister seines Fachs, Emmanuel Lubezki, welcher auch schon Werke wie Children of Men und Sleepy Hollow mit seinen Bildkompositionen veredelt hat. Die Musik stammt, wie so oft bei dem kauzigen Brüderpaar aus der Feder von Carter Burwell. Zwar reicht er nicht an die Genialität seines "Oh Brother there Art thou?" - Scores heran, weiß aber zu gefallen und unterstreicht die skurillen aber auch die melancholischen Momente der Geschichte adäquat und einfühlsam.

Die Coens zeigen erneut, welch Raffinesse und Ideenreichtum ihnen innewohnt. Kaum jemand versteht es so gekonnt wie diese Beiden, anspruchsvolles und unterhaltendes Kino miteinander zu verbinden.
Bis auf wenige "Ausrutscher" sind die Beiden immer noch eine sichere Bank und das ist eine erfreuliche Konstante im schnelllebigen Filmgeschäft

Großartige Aufarbeitung der Themen Gier, Schönheitswahn und Liebe. Ein Film dessen Ziel es ist zu amüsieren, aber trotz des Amüsements auch nachdenklich zu machen.

8,5 on 10 Punkten

p.s.: Auf die nächsten beiden Jahre "Black Forest Movie Guide". Ich bleibe mir treu, ich hoffe so mancher von euch mir und meinem Blog auch.

2009-11-12

I'm a Cyborg, but that's ok

Chan-Wook Park die Zweite.
Nach der Rezension zu seinem Erstlingswerk Joint Security Area folgt nun die zweite Besprechung eines seiner Werke binnen Wochenfrist.

Das vorliegende Werk trägt den klangvollen Namen "I'm a Cyborg, but that's OK". Nach Abschluss seiner Rache-Trilogie rund um Sympathy Mr. Vengeance, Oldboy und Lady Vengeance hatte Park, nach eigener Aussage, für's erste genug der düsteren Stoffe.

Nun möchte man meinen, der Regisseur nähme sich eines leichten, eventuell komödiantischen, Stoffes an. Aber weit gefehlt...

I'm a Cyborg... könnte man als Kreuzung aus "Einer flog über das Kuckucksnest" und einer lakonischen Außenseiterdramödie ansehen.

Alleine die Startsequenz rechtfertigt die Sichtung des Filmes. Sie ist gleichzeitig kreativ inszeniert, äußerst skurill, tieftraurig, voller schwarzem Humor und bietet alle typischen Trademarks des visionären Regisseurs Chan-Wook Park.

Die Musik ist wiederum herausragend, kein Wunder zeichnet sich doch der selbe Komponist wie schon bei JSA für den Score verantwortlich.

Der Film verschließt sich einer stringenten narrativen Ebene beinahe vollständig und lässt seine Bilder, seine Situationskomik und die stets unterschwellig spürbare Tragik der Situationen und Charaktere für sich sprechen.
Die Darsteller transportieren die kleinen oder zumeist eher größeren Macken ihrer Charaktere nahezu durchgehend sehr glaubwürdig, auch oder gerade weil ihr Spiel oftmals von kleinen Gesten lebt.

Der Film hat unbestritten gewisse Längen und ist definitiv eine Erfahrung der schrägeren Sorte (die koreanische Jodeleinlage sei nur ein Indiz hierfür), aber gerade diese übertriebene Elegie und der verschrobene Charme machen den Film sehenswert. Schade ist, dass das Ende etwas kurz geraten ist, aber unterm Strich bleibt ein lohnenswertes und wahrlich schwer vergleichbares bzw. kategorisierbares Filmerlebnis.

Ein Tipp für Open-Minded Filmseher und eine Warnung für Liebhaber einfach zu konsumierender Werke.

7 von 10 Punkten

2009-11-08

District 9

Ein Film, dessen Klasse sich fast im Vornherein abzeichnete.
Am Anfang war ein großartiger Kurzfilm des Südafrikaners Neill Blomkamp namens "Alive in Joburg", welchen ein gewisser Peter Jackson aus Neuseeland zu Gesicht bekam.
Dieser war so fasziniert von diesem Stück Film, dass er Blomkamp vom Fleck weg als Regisseur für die kommende Verfilmung des Computerspieles Halo verpflichten wollte. Doch da diese nach diversen Querelen und Unstimmigkeiten bei den diversen Drehbuchentwürfen vorerst auf Eis liegt musste ein neuer Job für den fähigen Jungregisseur her.
So kamen Jackson und Blomkamp auf die Idee aus dem spannenden Kurz- einen noch spannenderen Langfilm zu machen. Gesagt, getan, hieß es nun das Ergebnis sichten.

Und was soll man sagen, Blomkamps Debüt ist eine hervorragende Verbindung von dramatischen Elementen und kurzen aber eruptiven Action Momenten. Sowohl die zwischenmenschlichen Passagen als auch die Effektschlachten wissen zu beeindrucken. Man sieht an allen Ecken und Kanten, wer hier für die Effekte zuständig war und dabei handelt es sich um niemand Geringeren als die Leute von Weta, die schon Jacksons Herrn der Ringe oder King Kong veredelt haben.

Der Film und seine Macher beweisen in vielen Aspekten Mut. So sind die Darsteller durch die Bank bisher relativ unbekannt, Johannesburg als Spielplatz wenig populär und die Ausrichtung des Filmes oftmals eher pessimistischer Natur.

Doch gerade das macht den Film auch aus. Er bietet zum Ende keine A-typischen Lösungen, hat keine Identifikationsfiguren im herkömmlichen Sinne und bricht das ein ums andere Mal mit Sehgewohnheiten.

Aber gerade die Szenen, in welchen zum Beispiel die ungewöhnliche Egoshooter-Perspektive zum Einsatz kommt oder ein ruhiger Dialog zwischen Mensch und Alien stattfindet, sind es, die diesen Film so besonders machen.

Der Film nimmt sich der Immigranten-Thematik auf eine ungewöhnliche und gleichzeitig passgenaue Art an, vergisst es aber nie seinen Zusehern zur rechten Zeit unterhaltende Elemente zu liefern.

Dieser gelungene Spagat trug wohl auch maßgeblich zum großen Erfolg der Produktion bei. Man sieht dem Film zu keinem Zeitpunkt an, dass er "nur" 30 Millionen Dollar verschlungen hat. Was Effekte angeht, aber auch vieles andere, so spielt er eindeutig in der ersten Liga.

Großartige Parabel, die noch einiges von Herrn Blomkamp erwarten lässt. Aber jetzt ist erstmal sein Produzent und Meister Peter an der Reihe zu zeigen, dass auch er es noch beherrscht großartige Filme zu drehe. Sein neuer Film "The Lovely Bones" startet hierzulande im Dezember.

Hochverdiente 9,5 von 10 Punkten

Dawn of the Dead (2004)

Nachdem ich oben benanntes Werk nun zum vierten Mal bewundern durfte, kommt es auch in den Genuss einer Rezension an Ort und Stelle.

Der Aufschrei war groß als im Jahre 2003 bekannt wurde, dass George A. Romeros bekanntestes Werk "Opfer" der Remake-Industrie werden sollte. Dazu noch ein, bis dahin, gänzlich unbekannter Regisseur und ein Trailer, welcher die geneigten Untoten nicht wie Romero einstmals als schlurfende Wesen sondern als Horde sprintender Gesellen darstellte.

Mir bereitete diese Modernisierung keine Probleme und auch ansonsten sah der Trailer sehr geschmackvoll aus. Und so hieß es am Premierentage, ab ins Lichtspielhaus meines Vertrauens.
Und was mich dort erwartete, dass konnte ich noch lange danach kaum in Worte fassen. Zack Snyder hatte ein unbeschreibliches Debüt hingelegt. Eine Geschichte, angelehnt an das Original, aber aufgefüllt mit viel Sarkasmus, der Gesellschaftskritik die auch das Vorbild auszeichnete und randvoll mit derbsten Effekten.

Der Film bot 100 Minuten voller Kurzweil und Spannung und endete so verstörend, wie er begonnen hatte. Zu den Klängen von Disturbed ließ Znyder seinen Film mit unkommentierten aber deutungsintensiven Szenen enden.

Der Soundtrack ist allgemein eine sehr große Stärke dieses Werkes, hier hat Tayler Bates ganze Arbeit geleistet. Und auch bei der Effektabteilung muss man sich bedanken. Schwarzhumorige Szenen wie beispielsweise das Zombie-Prominenten-Quiz mit anschließender Beseitigung haben sich mir umgehend eingeprägt.

Der Look des Films ist modern aber dennoch an den morbiden Stil des Originals angelehnt und die Cameos diverser Protagonisten des Originals bzw. Szenegrößen der Horrorcommunity freuen wohl jeden Fan des Genres.

Kurzum, ein rundum gelungenes Remake, dass sowohl den Geist des Originals transportiert als auch neue Ansätze mit einbindet. Der Film machte auch bei der vierten Sichtung noch enormen Spaß.

9 von 10 Punkten

Joint Security Area

Nach (zu) langer Zeit melde ich mich an dieser Stelle wieder einmal zu Wort.
Als Ehrenrettung sei gesagt, dass ich in den zurückliegenden Wochen auch kaum Filme goutiert habe.
Aber über einen von diesen möchte ich dann doch ein paar Worte verlieren.
Der internationale Titel lautet Joint Security Area oder knapp JSA. Inszeniert wurde das Ganze von Maestro Chan-wook Park, seines Zeichens Regisseur der Rache Trilogie beginnend mit Sympathy for Mr. Vengeance und endend mit Lady Vengeance. Der Mittelpart Oldboy ist noch wie vor ein herausragender Vertreter der asiatischen Filmkunst und auch Lady Vengeance wusste mich in nahezu allen Belangen zu überzeugen. Den Anfang der Trilogie habe ich leider noch nicht ansehen dürfen, dass werde ich aber bestimmt in Bälde nachholen.

Aber nun zu JSA. Wir haben es mit einem waschechten Drama zu tun, dass sich mit den Konflikten der beiden Teile Koreas, Süd- und Norkorea, beschäftigt. Wir betrachten eine schweizerische Ermittlerin mit koreanischen Wurzeln, welche im Auftrag der Aufsichtsbehörde der neutralen Staaten den scheinbar kaltblütigen Mord an zwei nordkoreanischen Grenzsoldaten untersuchen soll.
Doch hinter dem scheinbar brutalen Angriff seitens der Südkoreaner steckt etwas Gänzlich anderes. Die Geschehnisse werden in Rückblenden erzählt und schildern, immer wieder unterbrochen von Szenen in der Gegenwart, wie es zu der folgenschweren Schießerei kommen konnte.
An dieser Stelle mehr über den Geschichtsverlauf zu verraten wäre sträflich.

Verraten werden darf aber, dass die Musik, für welche sich Jeong-wook Jo und Jun-Seok Bang verantwortlich zeichnen, exorbitant gelungen ist. Hier beweist Chan-wook Park auch schon in der frühen Phase seiner Karriere ein Händchen bei der Komponistenwahl. Stellenweise erinnern die Melodien etwas an den hervorragenden Soundtrack zu Lady Vengeance, was wohl kaum ein Zufall ist, da dort Jeong-wook Jo ebenfalls eine wichtige Rolle zukam.
Die Kameraführung gibt einem die Möglichkeit das ein ums andere Mal tief ins Geschehen einzutauchen und den Protagonisten so näher zu kommen, als einem lieb ist.

Die Darsteller agieren auf einem glaubwürdigen Niveau, hier seien vor allem Yeong-ae Lee, die später auch die Hauptrolle in Park's Werk Lady Vengeance einnehmen sollte, und Byung hun Lee erwähnt.

Regisseur Chan-wook Park versteht es wieder einmal eine Geschichte mit viel Herz, Tiefgang und vor allem einer Message zu erzählen und den Zuschauer über nahezu die gesamte Dauer der Filmlaufzeit zu fesseln. JSA ist sein erster großer Film und bereits hier offenbart er Talente, welche bei seinen kommenden Filmen noch weiter zum Tragen kamen. JSA ist meiner Meinung nicht Park's Meisterwerk, aber nichtsdestotrotz in jedem Falle empfehlenswert.
Weiterhin nimmt der Film Annäherungen der beiden Teile Koreas vorweg, welche nur wenige Monate nach der Filmpremiere geschahen.

7,5 von 10 Punkten

2009-10-03

In meinem Himmel

Heute widme ich mich nicht der Rezension eines Filmes, sondern befasse mich mit Alice Sebolds Roman "The Lovely Bones" oder "In meinem Himmel", seinem deutschen Titel.

Aufmerksam wurde ich auf das Buch wiederum durch einen Filmschaffenden. Ausnahmetalent Peter Jackson (Der Herr der Ringe, The Frighteners, Heavenly Creatures, King Kong, Bad Taste) hat es sich zur Aufgabe gemacht die vorliegende Geschichte in filmischer Form umzusetzen.

Da ich seinen frühen Ausflug ins phantastisch-dramatische Genre, Heavenly Creatures, sehr mag war ich äußerst gespannt auf die Lektüre.

Etwa 380 Seiten später bin ich um einiges schlauer und kann mit Sicherheit sagen, dass dies ein hervorragender Stoff für den Visionär Jackson darstellt.

Im Buch dreht sich alles um die 13-jährige Susie Salmon, die gleich zu Beginn einem Vergewaltiger zum Opfer fällt, welcher sie in der Folge ermordet und ihre Leiche verschwinden lässt. Doch die Tat bildet nicht den Kern der Geschichte. Susie kommt in den Himmel, in ihren Himmel, und betrachtet von dort ihre Familie, ihre Freunde, Schulkameraden, Nachbarn und ihren Mörder George Harvey, der, wie sie bald merkt, in ihr wahrlich nicht sein einziges Opfer gefunden hat. Susie muss mit ansehen wie ihre Familie, in den Monaten nach der Tat, immer mehr auseinander fällt. Ihre Eltern entzweien sich immer mehr, ihre Schwester Lindsey leidet darunter, dass alle in ihr nur das Abbild Susies sehen und selbst ihr kleiner Bruder Buckley wird sich, trotz seines Alters, bewusst, dass das Fernbleiben Susies nun für immer anhalten wird.

Susie versucht für sie da zu sein, Tipps auf ihren Mörder zu geben, sie in wichtigen Momenten zu begleiten, doch das ist reichlich schwierig für Jemanden, der nicht mehr auf Erden wandelt.

In meinem Himmel ist ein anrührendes Buch, dass gefühlvoll das Leben einer Familie und ihres umgebenden Mikrokosmos einfängt. Es beschäftigt sich mit Motiven wie Trauer, Verlust, Entfremdung, Heranwachsen und der universalen Liebe. Dazu eingestrickt ist geschickt die Geschichte, die sich mit den Gräueltaten George Harveys beschäftigt, nie aber explizit wird.
Ein herrlicher Schachzug ist es, die Geschichte aus der Perspektive der ermordeten Susie Salmon zu erzählen und wie sie ihre eigene Lage, aber auch den Fortlauf der Dinge auf Erden, beurteilt.

Das Buch ist sicherlich kein reines Drama und wahrlich kein Thriller, wobei Spannungsmomente durchaus zahlreicher Natur sind. Es ist viel mehr die Studie einer trauernden Gemeinschaft, die erst langsam lernt mit dem Verlust zu leben. Gespickt ist das ganze mit wohldosierten phantastischen Nuancen.

Ein tolles Buch, dass die Erwartungen an den Film kräftig nach oben schraubt und auf ein erneutes Meisterwerk ala "Heavenly Creatures" hoffen lässt.
Ich harre gespannt der Dinge, die da kommen.

2009-10-02

Ghost Rider

Ein Film, der mir über seine ganze Zeit kaum eine Regung abverlangt und mich zu keiner Zeit zum Denken anregt. Man mag sagen, dass das bei Comicverfilmungen ala Ghost Rider auch nicht nötig sei. Aber da bin ich anderer Meinung, die ersten beiden X-Men Teile und Batman Begins habens gezeigt und selbst der Regisseur des hier vorliegenden Werkes, Mark Steven Johnson, hat mit Daredevil einen recht ansprechenden Vertreter des Superhelden-Genres geschaffen.

Doch Ghost Rider ist schlichtweg seelenlos, Nicolas Cage wie so oft fehlbesetzt (der Mann scheint erstens sein schauspielerisches Talent und zweitens sein Händchen für die richtige Rollenwahl komplett verloren zu haben) und die Effekte, trotz eines riesenhaften Budgets, teils eher dem B-Movie Sektor zuzuordnen.

Der Cast hat weitesgehend kein deutliches Profil, einzig Wes Bentley als Cages Gegenspieler und Sam Elliot als väterlicher Vertrauter und Leidensgenosse können wirklich überzeugen, wohingegen Peter Fondas Darstellung des Teufels soweit im Overacting-Autopilot-Status schwebt, dass einem die Tränen, aber nicht des Glücks, kommen.

Spannung kommt selten bis gar nicht auf, der Anfang hebt sich leicht positiv hervor und die Handmade-Effekte sind ganz ordentlich.

Aber sonst heißt es, außer Spesen nichts gewesen.
Kein abgrundtief schlechter, aber sicher leicht unterdurchschnittlicher Big Budget - Streich.

4 von 10 Punkten

Wolf Creek

Dieser Backpacker-Horror-Thriller aus dem Jahre 2005 erreichte recht bald nach seinem Release im Heimatland Australien einen gewissen Kultstatus auf internationaler Ebene und spielte seine Kosten mit spielender Leichtigkeit wieder ein

Regisseur Greg McLean setzt in seinem Werk auf einen realistischen, fast dokumentarischen Stil mit häufigem Einsatz der Handkamera. Er realisiert einen gefälligen Spannungsaufbau und gibt seinen Charakteren, ungewöhnlich für einen Horrorfilm, viel Zeit zur Entfaltung. Erst nach geschätzten 50 Minuten beginnt das Terrorkino, dann aber richtig. Zuvor hatte McLean seine Protagonisten ausschließlich auf ihrer Reise an entlegene Orte des Outbacks begleitet und kleinere Andeutungen gefahren.

Kameramann Will Gibson fängt wunderschöne Landschaftsaufnahmen ein, aber welches Land eignet sich dazu auch so hervorragend wie Australien. Die Klinge von Frank Tetaz sind häufig zurückhaltend und erfüllen gerade deshalb so adäquat ihren Zweck.

Die Protagonisten sind allesamt recht unbekannt, spielen aber sehr souverän und empfehlen sich für weitere Aufgaben. Vor allem John Jarratt gibt einen herrlich bösen Fiesling, der sich erst nach einer gewissen Zeit vollständig offenbart.

Der Film erinnert in seinen besten Momenten an die hypnotischen Bilder eines "The Texas Chainsaw Massacres" (ich spreche hier vom Original aus den 70er Jahren), leidet aber doch auch an so manchen Logikschwächen und Storyzugeständnissen, wie viele andere Vertreter des Genres auch.

Das ändert aber nichts daran, dass Wolf Creek ein sehenswerter Film ist, der vor allem zum Ende hin die Spannungs- und Brutalitätsschraube kräftig anzieht, glücklicherweise aber nie seine Charaktere vergisst. Die Opferreihenfolge scheint etwas beliebig, ist aber gerade daher sehr wirkungsvoll für den Zuseher.

Spannung ist garantiert, auch wenn das wahrlich nicht die Gefilde der Perfektion erreicht.

7 von 10 Punkten

2009-09-19

Hunting Party


Der hier vorliegende Film nimmt sich eines sehr ernsten Themas an, des Bosnienkriegs. Die Hauptdarsteller Richard Gere und Terrence Howard spielen zwei Journalisten, die über lange Jahre ein eingespieltes Reportageteam in den Krisengebieten der Welt waren. Geres Charakter rastet während einer Live-Schalte, die beiden berichten von einem Massaker an der unschuldigen Landbevölkerung, aus und wird vom Dienst suspendiert.
Darauf verlieren sich die beiden einige Jahre aus den Augen, Howards Duck macht große Karriere, während Geres Simon Hunt sich immer weiter auf das journalistische Abstellgleis manövriert. Als Duck, 5 Jahre nach Kriegsende, wieder nach Bosnien reist, passt Simon ihn ab und berichtet ihm, dass er eine große Story hätte. Er wisse, wo sich ein bekannter, "Der Fuchs" genannter, Kriegsverbrecher verstecke.
Duck begleitet Simon, trotz starken Zweifeln, um der alten Zeiten Willen. Gesellschaft bekommen sie von dem jungen Benjamin Strauss, Ducks Praktikant und Sohn seines stellvertrenden Senderchefs.

Die Geschichte beruht zu Teilen auf wahren Erlebnissen einer fünfköpfigen Journaistengruppe und der, hier Fuchs titulierte Kriegsverbrecher, ist an die Person Radovan Karadzic angelehnt.

Der Film übt Kritik an den internationalen Eingreiftruppen, der Nato, diversen Regierungen und dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, dass ein landesweit gesuchter Kriegsverbrecher wie Karadzic (hier "der Fuchs") trotz angeblicher intensiver Suchmaßnahmen und großer Streitkräfte nicht gefasst werden konnte. Er stellt die Theorie auf, dass diverse Länder sogar Interesse verfolgten, die einer Ergreifung des Verbrechers entgegensteuerten.

Das Werk wandelt häufig auf den Pfaden zwischen Unterhaltungsfilm mit zynischem Unterton und düsterer Anklage. Diesen schmalen Pfad muss es doch das ein ums andere Mal verlassen und überzieht in manchen Szenen. Das machen aber oft die beiden beeindruckenden Hauptdarsteller Gere und Howard wett, nur hätte es den Sidekick-Charakter von Jesse Eisenberg nicht gebraucht. So hätte man sich auch die Szene mit Diane Kruger sparen können, die wenig bis gar nichts zum Geschichtsverlauf beiträgt. Gere war lange nicht mehr (oder vielleicht noch nie) so gut wie hier, das lässt doch etwas für seine schauspielerische Zukunft erwarten.

Der Film ist nahezu durchgängig spannend inszeniert, was aber seine Glaubwürdigkeit auch des Öfteren in Frage stellt. Die skurillen Charaktere, die es hier zuhauf gibt, passen sich zumeist gut in die Geschichte ein (der Verbrecherzwerg, donutmampfendes Streitkräfteoberhaupt, etc...), tragen aber auch nicht unbedingt zu einer geschichtlichen Nähe bei.

David Tattersall liefert wieder einmal großartige Bilder ab, Erfahrung hat er darin ja zuhauf (Star Wars, The Green Mile, The Matador) und der Score von Rolfe Kent ist auch gelungen. Die Settings sind ausdrücklich zu loben, ob in Krisen- oder Friedenszeiten.

Richard Shepard (Mord und Margaritas) gelingt ein Unterhaltungsfilm mit einer löblichen Botschaft, die aber von dem oftmals skurillen oder actionlastigen Grundtenor etwas verwässert wird.

6,5 von 10 Punkten

Spaceballs

Mel Brooks nimmt sich in diesem Werke vorrangig dem Star Wars Universum an und das, in gewohnter Manier, wenig ernstahft.

So macht er aus Jabba the Hut Pizza the Hut, aus dem zotteligen Chewbacca wird Mawg (eine Mischung aus Mann und Hund) Barf, Darth Vader wird zu Lord Helmet (in der deutschen Synchronisation Lord Helmchen), aus dem weisen Yoda wird der tatterige und merchandiseerprobte Yogurt und so weiter und so fort.

An allen Ecken und Kanten tauchen Reminiszenzen an mehr oder minder meisterhafte Werke der Filmgeschichte auf. So werden Filmserien wie Star Trek, Alien oder Planet der Affen karikiert und auch 2001 - Odyssee im Weltraum und die Transformers Figuren bekommen ihr Fett weg.

Aus dem Leitspruch der Star Wars Filme "May the force be with you" ("Möge die Macht mit dir sein") wird weiterhin sehr rasch "May the Schwartz be with you", wobei die Herkunft des Begriffes Schwartz nie so recht geklärt werden konnte.

Die Settings und Kostüme sind erstaunlich nah an den Originalen und zeigen so eine, dem vorherrschenden Slapstick zum Trotz, durchaus vorhanden Detailverliebtheit.

Man könnte die Parodie stundenlang zitieren, kommen doch so wundervolle Zeilen wie "I'm a mog: half man, half dog. I'm my own best friend!", "Out of order? FUCK! Even in the future, nothing works!", "I am your father's brother's nephew's cousin's former roommate. ", "It's Mega Maid. She's gone from suck to blow. ", oder aber "You idiots! These are not them! You've captured their stunt doubles! ".

Spaceballs ist eine wahrlich witzige Parodie auf die Filme der 70er und frühen Achtiger und punktet gen Ende mit einer großartigen Alien-Hommage und einer sehenswerten "Planet of the Apes" Verbeugung.

Go and see this film, may the schwartz be with you!

8 von 10 Punkten

2009-09-17

Malastrana

Wer hier einen blutigen Giallo erwartet, der wird wohl nach Ansicht des Werkes von Aldo Lado enttäuscht dreinblicken. Lado legt den Fokus eher auf seine Charaktere, deren Entwicklung und optische Leckerbissen. Visuell hervorragend umgesetzte Kamerafahrten und die soghafte Musik von Ennio Morricone wissen den geneigten Zuseher zu entzücken.

Die Geschichte des Journalisten Gregory Moore, der das Verschwinden seiner Freundin Mira aufklären will und dadurch in große Gefahr gerät klingt bis dato wenig originell. Nur zäumt sich das Werk sozusagen von hinten auf. Moore Charakter wird relativ zu Anfang scheinbar tot in einer Parkanlage aufgefunden, doch ist er dies nicht wirklich. Er befindet sich in einer Art Wachkoma, lebt, aber kann sich seiner Umwelt nicht verständlich machen. Er versucht das Geschehene der letzten Tage und Wochen in seinem Geiste zu rekapitulieren und so wird der Zuschauer Zeuge der Ereignisse, die zu seinem Zustand führen sollten.

Dies alles steuert auf ein überraschendes Ende zu, bis zu diesem werden dem Zuseher stimmungsvolle Aufnahmen Prags, argentoeske Bilderlandschaften und spannungsvolle Momente serviert. Der Film ist ein Giallo, der weniger der Härte, denn seiner Geschichte und deren Protagonisten huldigt. Zwar kommt es zu kurzen Momenten der Gewalt und sexuellen Momenten, doch diese inszeniert Lado eher zurückhaltend.

Ihm stand mit so bekannten Namen wie Barbara Bach, Jean Sorel, Ingrid Thulin und Mario Adorf ein hervorragender Cast zur Verfügung, der auch eine gute Leistung bietet. In einer kleinen Nebenrolle gibt es übrigens Jürgen Drews (ja den mit dem "Bett im Kornfeld") zu sehen, der ein seltsames Liedchen vor sich her trällert. Ebenjener Sangesbarde hat auch einen sehr unterhaltsamen, wenn auch mit wenig Bezug zu diesem Film ausgestatteten, Audiokommentar eingesprochen.

Stimmungsvoller Thriller mit Giallo- und Okkultismus-Anleihen.

7 von 10 Punkten

Der stille Amerikaner

Dieser Film von Regisseur Phillip Noyce (Catch a Fire, Todesstille, Der Knochenjäger) beruht auf einem Roman von Graham Greene, welcher zu Teilen auf Tatsachen beruht und zu anderen Teilen rein fiktionaler Natur ist. Er thematisiert die Geschehnisse an den Anfängen des Vietnam-Krieges und die Verstrickung zweier unterschiedlicher Männer darin, die beide die selbe Frau begehren. Einen davon spielt Michael Caine, welcher für diese Darbietung eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller einheimsen konnte. Er spielt den alternden britischstämmigen Journalisten Thomas Fowler, der als Vietnam-Korrespondent für seine Zeitung fungiert. Er hat in Phuong eine bildhübsche und blutjunge Geliebte und versucht hauptsächlich wegen ihr seinen Abzug ins Londoner Büro seines Arbeitgebers hinauszuzögern. Weiterhin erschwert die Lage, dass Thomas noch verheiratet ist und seine hochrelegiöse Frau einer Scheidung und einer wiedermaligen Heirat ihres Mannes nicht einwilligen will, die Thomas' Geliebte Phuong absichern würde.

Im Laufe dieser Ereignisse tritt der Amerikaner Alden Pyle auf den Plan. Er stellt sich als Vertreter einer ärztlichen Hilfsorganisation vor und verliebt sich umgehend unsterblich in Phuong. Es entspinnt sich eine komplizierte Dreiecksbeziehung, die langsam aus dem Ruder läuft. Und nicht jeder ist das, als was er sich ausgiebt. Keiner von den Dreien wird diese Geschichte schadlos überstehen.

Phillip Noyce fokussiert sich in seinem Werk auf die Entwicklung seiner Charaktere. So stehen nicht die Gräuel des Vietnam-Krieges im Mittelpunkt der Geschichte, auch wenn diese in intensiven Zwischenintermezzi immer wieder thematisiert werden, sondern die bizarre Dreiecksbeziehung und ihre Folgen.

Thomas Fowler findet in seinen Recherchen viele unangenehme Dinge heraus, auch was Alden betrifft, aber auch er offenbart seine dunklen Seiten.

Michael Caine spielt groß auf und so recht können weder Brendan Fraser, auch wenn er seine Sache gut macht, und Do Thi Hai Yen, die Darstellerin der Phuong, hier mithalten. Caines Rolle ist von Natur aus vielschichtig angelegt, doch er verleiht ihr noch eine ganz besondere Aura. Unter den Nebendarstellern ist vor allem Rade Serbedzija als Inspektor Vigot hervorzuheben.

Kameramann Christopher Doyle, welcher sich vor allem für die Bebilderung vieler chinesischer und hongkongscher Werke verantwortlich zeichnet, hat ein Gespür für durchkomponierte Bilder und fängt das so mystische und verträumte aber in den Kriegswirren auch dreckige und grausame Bild Vietnams ein.

Craig Armstrong liefert einen adäquaten, weil so zur Stimmung und den Bildern passenden, Score ab, der ein intensives Hör- als auch Seherlebnis garantiert.

Der Film fesselt, hält aber leider auch einige wenige Ungereimtheiten und Längen parat.

Sehr anschauliches Unterhaltungskino mit Tiefgang.

7 von 10 Punkten

2009-09-14

Inside Man

Spike Lee, der sonst eher für tiefschürfende Dramen birgt, versucht sich an einem Film, den man wohl als hintergründigen Bankraub Thriller bezeichnen darf.

Lees Schauspielerriege beinhaltet so manchen großen Namen, da wären zum Beispiel Denzel Washington, Jodie Foster, Clive Owen, Willem Dafoe, Christopher Plummer oder Chiwetel Ejiofor an Bord.

Doch macht das alles "Inside Man" zu einem gelungenen Film? Ich kann darauf nur ein unklares "Jein" erwiedern. Der Film macht Spaß, legt den ein oder anderen gelungenen Story-Twist hin, ist gelungen fotografiert und orchestriert, aber ihm fehlt es vor allem an zwei Dingen, Seele und Tempo. Kaum eine der Figuren kann wirkliche Sympathien erzeugen, der Film hat so manche Länge im Mittelteil und gibt sich zum Ende hin zu erklärend.

Washington und Owen spielen gewohnt souverän, Jodie Foster und Willem Dafoe tun dies ebenfalls, haben aber kaum Screentime, Plummer bleibt etwas blass und Ejiofor hat kaum Zeit scih auszuzeichnen.

Erwähnung sollte noch Kameramann Matthew Libatique finden. Wieder einmal gelingt es ihm, einen Film mit seinen Bildern zu veredeln (siehe dazu auch: The Fountain).

Es scheint, wie die imdb-Datenbank es ausweist, eine Fortsetzung geplant zu sein. Dieser hätte es, meiner Meinung nach, nicht bedurft. Mit Teil 1 ist alles erzählt.

Ein Film für Zwischendurch. Souveräne gutklassige Unterhaltung, nicht mehr aber bestimmt auch nicht weniger!

6 von 10 Punkten

2009-09-09

Die Krays

Dieser Film befand sich schon des längeren auf meiner Must-See-Liste, war er mir doch Jahre zuvor einmal wärmstens empfohlen worden.
Nur dauerte es dann noch etwas, bis ich mich auch zu einer Sichtung durchringen konnte, was mich rückwirkend ärgert.
Denn das vorliegende Werk ist ein interessanter und ganz und gar unprätentiöser Einblick in das Unterwelt- als auch Familienleben der Zwillinge Ronald und Reginald Kray, welche die Londoner in den 50er und 60er gehörig auf Trab hielten und für Angst und Schrecken in der Bevölkerung sorgten.

Regisseur Peter Medak begeht erfreulicherweise nicht den Fehler, dass Leben der beiden Brüder zu glorifizieren beziehungsweise die Geschichte zweier Bestien zu bebildern. Er beachtet stets den menschlichen Aspekt der Geschichte, lässt uns an der Entwicklung der beiden teilhaben und in deren familiäre Verhältnisse eintauchen. Arm aber wohlbehütet aufgewachsen beginnen die Brüder rasch und mit radikaler Hand den Aufbau eines eigenen Imperiums. Stellen sich ihnen Gegner in den Weg, so bezahlen diese dies mit ihrem Leben oder werden ein Leben lang entstellt. Schon früh wiedersetzen sich die beiden dem britischen Staat und müssen dafür Gefängnisstrafen absitzen.
Als einizige Autorität dulden die Beiden ein Leben lang ihre eigene Mutter.
Der Bruch mit dem Vater, Ronald's Homosexualität, Reggies Ehe mit Frances, welche schließlich Selbstmord begeht, dass alles sind weitere Bestandteile des Drehbuchs.

Medak nimmt sich Zeit für seine Figuren, kommt aber glücklicherweise ohne Längen aus. Er versteht es gekonnt, die verschiedenen Seiten seiner beiden Hauptprotagonisten zu beleuchten. Diese werden von Martin und Gary Kemp dargestellt, beide Mitglieder der in den 80er Jahren bekannten Popband Spandau Ballet. Die Brüder liefern eine durchweg glaubwürdige und realgetreue Darbietung, solche Leistungen würde man sich von heutigen schauspielernden Popsternchen ab und an auch einmal wünschen.

Der leider bereits verstorbene Michael Kamen liefert einen superben Soundtrack, der die Stimmungen stets gekonnt unterstreicht. Die Bilder von Alex Thomson lassen einen das ein ums andere Mal in die Geschehnisse eintauchen.

Sehr positive Überraschung, ein Film, der eine Chance verdient!

8 von 10 Punkten

Edward mit den Scherenhänden

It's Burton time, oh what a time!

Hier vereint des schrägen Filmes Meister Tim Burton alle Trademarks, die seine Filme auszeichnen.
Schräge aber stets liebenswerte Situationskomik, das Auge für die außergewöhnlichen Momente, ein warmherziger Grundtenor, egal wie kalt die Geschichte teils wirken mag und spleenige Charaktere, die von einem fernen Planeten scheinen.

Es war die erste Zusammenarbeit zwischen Johnny Depp und dem Regie-Exzentriker, hierauf sollten und werden noch einige folgen. Der visuell und narrativ einzigartige Stil Burtons kommt dem extrem wandlungsfähigen und ausdrucksstarken Depp hervorragend zu Pass. Diese Rolle ebnete ihm den Weg zu seiner großen Hollywoodkarriere, aber er ist erfreulichweise, trotz des Starruhms, immer noch ein Unikat geblieben.

Er verleiht dem titelgebenden Edward Scissorhands gleichzeitig eine wunderbare Warmherzigkeit aber auch eine nuancierte tollpatschige und schüchterne Note.
Aber er ist wahrhaftig nicht der einzige Darsteller des Werkes, der hier Erwähnung finden sollte. Dianne Wiest gibt die rührseelige Peg einfach wunderbar und wird von Filmehemann Alan Arkin superb unterstützt. Winona Ryder ist einfach bezaubernd als Edwards' Love Interest Kim und Anthony Michael gefällt ebenfalls als ihr grober, auf Edward eifersüchtiger Freund Jim. Schauspiellegende Vincent Price hätte kaum eine wunderbarere letzte große Rolle spielen können, jeder Moment zwischen ihm und Depp ist Magie pur.

Die Musik von Burtons Stammkomponist Danny Elfman wirkt stets leicht entrückt und ist damit passgenau auf die Geschichte zugeschnitten. Die Bauten und das ganze Setting unterstützen die nonkonforme filmische Vision Burtons' adäquat.

Ein runder Film, der trotz oder gerade wegen seiner bezaubernden Andersartigkeit auf fabelhafte Weise unterhält.

9 von 10 Punkten